Essener Philharmoniker — Spielzeit 2026/2027

Liebes Publikum,

die großen B’s werden sie manchmal genannt, als Hinweis auf eine Meisterschaft, die zugleich bestimmte Epochen der westlichen Musikgeschichte verkörpern soll. Die großen B’s, deren Werke in den Konzertsälen weltweit Jahr für Jahr erklingen, die den Orchestern in ihrer Varianz und mit ihren spezifischen Eigenheiten jedoch immer wieder aufs Neue viel abverlangen. Es sind Johann Sebastian Bach (1685 –1750), Ludwig van Beethoven (1770 –1827), Johannes Brahms (1833 –1897) und zuweilen Anton Bruckner (1824 –1896), denen diese Beispielhaftigkeit für den Ba rock, die Klassik und die Romantik zugesprochen werden. In der Saison 2026/2027 haben wir sie alle im Programm der Sinfoniekonzerte der Essener Philharmoniker vereint.

Als Generalmusikdirektor ist es mir eine besondere Freude, das Jahr zum 200. Todestag Beethovens mit einem seiner wichtigsten und prägendsten Werke zu beginnen: seiner 9. Sinfonie, in der wir neben den Essener Philharmonikern auch die Kräfte des Ensembles des Aalto Musiktheaters, des Aalto Opernchores und des Philharmonischen Chores zusammenbringen. Zuvor jedoch widme ich mich bereits im 2. Sinfoniekonzert der sogenannten „Eroica“, Beethovens 3. Sinfonie – einem Werk, das für mich wie kaum ein anderes den radikalen Wendepunkt in der Musikgeschichte markiert. Hier sprengt Beethoven nicht nur die formalen Dimensionen der Sinfonie, sondern formuliert erstmals einen zutiefst persönlichen, ja existenziellen Anspruch an diese Gattung. Die „Eroica“ ist keine höfische Unterhaltung mehr, sondern ein musikalisches Bekenntnis: von ungeheurer Energie, kompromisslos in ihrer Dramaturgie und voller innerer Spannungen.

In der Adventszeit werden wir den ersten der großen B’s feiern mit Bachs „Weihnachtsoratorium“, das zuletzt in der Spielzeit 1967/1968 im Programm der Essener Philharmo niker zu hören war. Mit Ricardo Minasi haben wir hierfür einen ausgewiesenen Barockspezialisten eingeladen, künstlerischer Leiter des „Orchestra La Scintilla“. Dies wird jedoch nicht der einzige Ausflug in das frühe 18. Jahr hundert bleiben. Im Rahmen des Komponistinnenfestivals her:voice IV widmen wir uns Werken von Zeitgenossinnen Bachs, u. a. den adeligen Damen Wilhelmine von Bayreuth (1709 –1758), Anna Amalie von Preußen (1723 –1787) oder Maria Antonia Walpurgis (1724 –1780). Geleitet wird dieses Konzert von der vielfach ausgezeichneten Blockflötistin und Dirigentin Dorothee Oberlinger, Hintergründiges zu Leben und Wirken der Komponistinnen erfahren Sie im von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung geförderten Rahmenprogramm des Festivals.
„Die großen B’s werden sie manchmal genannt, als Hinweis auf eine Meisterschaft, die zugleich bestimmte Epochen der westlichen Musikgeschichte verkörpern soll. In der Saison 2026/2027 haben wir sie alle im Programm der Sinfoniekonzerte der Essener Philharmoniker vereint.“
Der international gefeierte Dirigent Bertrand de Billy wird zum Saisonauftakt Anton Bruckners 3. Sinfonie präsentieren – ein Werk, das Bruckner einst Richard Wagner widmete und das mit seiner monumentalen Anlage, seinen eruptiven Klangballungen und seinen spirituellen Ruhe punkten eine ganz eigene Welt eröffnet.

Johannes Brahms ist in zwei von mir als Generalmusikdirektor geleiteten Konzerten vertreten. An seinen Ouvertüren fasziniert mich besonders die Verbindung aus struktureller Strenge und überschäumender rhythmischer Vitalität. Die „Tragische Ouvertüre“ empfinde ich als ein Werk von existenzieller Wucht, frei von programmatischen Erklärungen, dafür voller innerer Dramatik und düsterer Entschlossenheit. Die „Akademische Festouvertüre“ hingegen zeigt Brahms’ oft unterschätzten Humor: Mit stupender Meisterschaft verwandelt er studentische Trinklieder in ein orchestrales Feuerwerk, das zugleich ironisch gebrochen und handwerklich vollkommen ist. Diese Gegenüberstellung offenbart für mich die ganze Spannbreite dieses Komponisten.

Natürlich sind viele weitere Werke jenseits der großen B’s im Programm vertreten, die unsere Saison zu einer vielseitig inspirierenden machen und die von großartigen Künstler*innen interpretiert werden! Hierzu gehören das Cellokonzert in a-Moll von Robert Schumann (1810 –1856) mit der Porträtkünstlerin der Philharmonie Essen Anastasia Kobekina, Sergej Rachmaninows (1873 –1943) 2. Klavier konzert mit dem gefeierten jungen Pianisten Alexander Gadjiev unter der musikalischen Leitung von Marc Albrecht sowie Felix Mendelssohn Bartholdys (1809 –1847) Oratorium „Elias“ mit Derek Welton, regelmäßiger Gast der Salzburger und Bayreuther Festspiele, der Wiener Staatsoper sowie der Opéra national de Paris, dirigiert von Constantin Trinks. Ein besonderes Schmankerl zum Ende der Saison ist das Divertimento concertante für Kontrabass von Nino Rota (1911–1979). Das ungewöhnliche Soloinstrument wird zum Protagonisten eines kurzweiligen Konzertstücks, das den Zuhörenden seltsam vertraut vorkommt – vermutlich eine Erinnerung an die Musik, die der Komponist für die Filme Federico Fellinis und Luchino Viscontis schrieb.

Das Programm der Essener Philharmoniker geht weit über die Sinfoniekonzerte hinaus mit Kammermusik, Crossover sowie Konzerten für Kinder und Jugendliche – wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entdecken der neuen Saison und wunderbare musikalische Erlebnisse mit Ihrem Orchester!
Ihre

Dr. Merle Fahrholz
Intendantin des Aalto Musiktheaters
und der Essener Philharmoniker

Andrea Sanguineti
Generalmusikdirektor der
Essener Philharmoniker